Kämpfe im Hürtgenwald 1944-45

Amerikanische Soldaten Ende Januar 1945 im Kalltal

Amerikanische Soldaten Ende Januar 1945 im Kalltal

Vorgeschichte und erste Kämpfe

Nach der Landung der Amerikaner in der Normandie am D-Day war der Vormarsch durch Frankreich rasant verlaufen. Erst an der Reichsgrenze hielten die alliierten Einheiten kurz inne (s. Westwall) und ermöglichten es der deutschen Wehrmacht wieder eine Verteidigungsfront zu organisieren. So blieben die frühen Erfolge der Amerikaner auf deutschem Boden Mitte September 1944, wie zwischen Roetgen und Schevenhütte oder in Monschau, die Ausnahme. Sowohl in Aachen als auch am Westwall in Lammersdorf entrbrannten zähe Kämpfe.

Im Zuge der Kämpfe um Lammersdorf betraten Ende September 1944 im Bereich Jägerhaus auch erstmals amerikanische Soldaten die Wälder, die später als Hürtgenwald bekannt wurden.

Der erste größere Vorstoß in den Hürtgenwald erfolgte durch die 9. US-Divison am 5. Oktober. Das erste Ziel, die Unterbrechung der Straße Monschau-Düren vom Wehebachtal aus kommend, konnte mit der Einnahme des Ortes Germeter (heute Teil Vossenacks) erreicht werden. Allerdings auf Kosten hoher Verluste: Das zweite Batallion des 60. Regiments hatte beispielsweise zwei Drittel seiner Mannstärke eingebüßt. So konnten keine weiteren Erfolge erzielt werden. Am 16. Oktober löste die 28. US-Division die abgekämpften Soldaten ab.

Die "Allerseelenschlacht"

Als der "Battle for Schmidt" am 02. November 1944 startet liefen die alliierten Planungen für einen Vorstoß über die Rur in Richtung Rhein schon auf Hochtouren. Zur Vorbereitung dieser Offensive unter dem Namen "Operation Queen" sollte ein vorbereitender Angriff von Germeter aus über Vossenack durch das Kalltal in Richtung Schmidt erfolgen, um die Einheiten in den Westwallstellungen im Monschauer Land rükwärtig abzuschneiden. Weitere Geländegewinne auf der Hochebene des Germeters in Richtung Hürtgen sollten zudem die Flanke des Hauptvormarschs im Bereich Stolberg-Düren sichern.

Die 28. US-Division griff zu diesem Zweck mit drei Regimentern an. Keines davon konnte sein Ziel erreichen. Während das 109. Regiment das Minenfeld "Wilde Sau" vor Hürtgen nicht überwinden konnte, biss sich das 110. Regiment im Bunkerkampf am Ochsenkopf fest. Einzig dem 112. Regiment gelang es am 2. November Vossenack und am 3.9. sogar die Kirche von Schmidt zu besetzen. Doch den Einheiten in Schmidt fehlte es an Nachschub. Das Kalltal lag im ständigen Beschuss deutscher Artillerie, die das Gelände vom Burgberg bestens einsehen konnte.

Da auf deutscher Seite das 116. Pnazerregiment zur Verstärkung eingetroffen war, mussten sich die Amerikaner aus Schmidt in den heutigen Ortsteil Kommerscheidt zurückziehen. Wenige Tage später gaben die abgekämpften Einheiten der 28. US-Infanterie notgedrungen auch ihre dortigen Stellungen auf und zogen sich wieder in Richtung Vossenack zurück. Am 9. November war der Angriff endgültig gescheitert.

Die "Allerseelenschlacht" ging als größte Niederlage einer amerikanischen Division auf europäischem Boden in die Geschichtsbücher ein. Auch wenn es nicht die verlustreichste Operation der Amerikaner im Hürtgenwald war, stellt sie daher dennoch die bekannteste Episode der Kämpfe dar.

Operation Queen

Die "Operation Queen" startete trotz dieser Niederlage am 16. November - mit dem größten taktischen Luftangriff zur Unterstütung von Bodentruppen der Geschichte. Die völlige Zerstörung von Düren und Jülich war das Resultat. Der eigentliche Schwerpunkt der Operation lag aber am Boden. Einer der Vorstöße galt abermals der Sicherung der Höhenlagen des Hürtgenwaldes von wo aus auch ein Vorstoß über Gey in Richtung Düren erfolgen sollte.

Die Offensive führte zwar nach fast zwei Wochen zur Einnahme der Orte Großhau, Kleinhau und Hürtgen, der Erfolg stand aber in keiner Relation zu den Verlusten. Die 4. US-Division verzeichnete beispielsweise in drei Wochen Einsatz im Hürtgenwald etwa 115% Verluste (Tote, Verwundete, Gefangene). Den deutschen Verteidigern erging es auf den anderen Seite kaum besser, auf Ersatzsoldaten warteten diese jedoch vergeblich.

Am 8. Dezember gelang es dem 2. Ranger Batallion, einer der berühmtesten amerikanischen Einheiten (Der längste Tag, Der Soldat James Ryan), den Burgwerg - Hill 400 - einzunehmen. Auch das Ranger Batallion kämpfte sich bei dieser Mission ab, zwischenzeitlich waren nur noch 25 Soldaten einsatzfähig, konnte den Berg aber einnehmen und gegen mehrere Gegenangriffe verteidigen.

Die Höhen der heutigen Gemeinde Hürtgenwald waren erobert und die Einnahme des Rurstaudamms Schwammenauel zur Sicherung der Überquerung der Rur rückte in den Mittelpunkt der Bemühungen. Der zu diesem Zweck im Raum Simmerath startende Angriff auf Schmidt wurde am 16. Dezember jedoch vom Beginn der deutschen Ardennenoffensive überschattet.   

Ende der Kämpfe im Februar

Nach dem Scheitern der Ardennenoffensive nahmen die Amerikaner ihre Bemühungen im Hürtgenwald Ende Januar 1945 wieder auf. Schmidt wurde schließlich von der 78. US-Division maßgeblich über Kesternich und Strauch aus kommend eingenommen. Unterstützt von zwei Angriffen aus Vossenack und Bergstein durch das Kalltal gelang die Einnahme Schmidts schließlich am 8. Februar 1945. 

Am Folgetag konnte zwar auch der Staudamm Schwammenauel besetzt werden, zuvor gelang es einem deutschen Prionierhauptmann aber noch, verschiedene Ablässe des Damms zu sprengen und somit die Rur zu fluten. Somit verließen die letzten Fronteinheiten die Region erst Ende Februar 1945.

Bedeutung der "Schlacht im Hürtgenwald"

Ein umfassendes Urteil über die "Schlacht im Hürtgenwald" zu treffen, ist weder möglich noch zielführend. Festhalten lässt sich jedoch, dass die hohen Opferzahlen - vor allem auf amerikanischer Seite - in keinerlei Verhältnis zum militärischen Nutzen der Kämpfe standen. 

Wichtiger bei der Auseinandersetzung mit dem Hürtgenwald ist daher vielmehr das ständige Bewusstsein darüber, dass die Kampfhandlung keinesfalls heroisiert betrachtet werden dürfen. Denn: Die langen Kämpfe an der Reichsgrenze - und damit auch die Hürtgenwaldkämpfe - bedeuteten auch die Verlängerung der Herrschaft des NS-Regimes und seiner Verbrechen hinter den Frontlinien. Leibhaftiges Leid einzelner Menschen abseits aller müßigen "was wäre gewesen, wenn..." Überlegungen.