Westwall

Bauarbeiten und Einquartierung

Als Hitler 1938 den Bau des Westwalls verkündete, waren die Bauarbeiten schon länger im Gange. Für das NS-Regime diente der Westwall vor allem zur Kriegsvorbereitung und als Propagandamittel. Einerseits wollte man die Westmächte durch - teils drastisch übertriebene - Bilder einer Verteidigungsanlage von der eigenen Stärke überzeugen, andererseits verkaufte man den Wall propagandistisch als "Friedenswall" und bloße Antwort auf die Maginot-Linie der Franzosen. Das - falsche - Signal an alle Deutschen, die den Ersten Weltkrieg erlebt hatten: Es wird keinen neuen Zweifrontenkrieg geben.

Für die abgelegnen Dörfer des Hürtgenwaldes bedeuteten die Bauarbeiten zunächst einmal einen ungekannten wirtschaftlichen Aufschwung. Dessen Nachhaltigkeit war allerdings nicht vorhanden, mit Bunkern lässt sich nach Abschluss der Bauarbeiten eben kein Geld verdienen. Plötzlich kamen hunderte Männer im Reichsarbeitsdient in die Region und ganze RAD-Lager, z.B. am Buhlert, entstanden. Die Arbeiter kamen natürlich auch in die Dörfer und ließen ihr - spräliches - Gehalt dort. Zudem waren auch örtliche Jugendliche an der Arbeit beteiligt. Die NS-Organisation KDF (Kraft durch Freude), die ab 1933 die Gewerkschaften ersetzt hatte, begann Kulturveranstaltungen, wie zum Beispiel Kino, in den Dorfsälen anzubieten - vor allem für die Jugendlichen natürlich ein Abenteuer.


Auf der anderen Seite gab es auch direkte, negative Konsequenzen. Mancherorts kam es zu Schlägereien zwischen Arbeitern und Dorfbewohnern. Außerdem entwickelten sich die sogennanten "Wildwestfahrer" zu einem immer größeren Problem - die LKW-Fahrer am Westwall wurde auf Stunde bezhalt und ihre rücksichtlslode Fahrweise führte zu zahlreichen Unfällen.

Als am 3. September 1939 in Folge des deutschen Überfalls auf Polen die Kriegserklärung Großbritanniens und Frankreichs an Deutschland erfolgte, werden in allen Dörfern im Hürtgenwald Soldaten bei den Familien einquartiert und der unvollendete Westwall besetzt. Ein Angriff der Alliierten bleibt jedoch aus. Stattdessen startet der deutsche Westfeldzug am 10. Mai 1940 aus den Stellungen des Westwalls. 

Bedeutung für den Hürtgenwald

Die größte Bedeutung mag der Westwall wohl in seiner propagandistischen Wirkung gehabt haben. Sowohl der ausbleibende Angriff der Alliierten 1939-1940 auf Deutschland als auch bei der Operation Market Garden hat wohl der Westwall eine Rolle bei der Entscheidung der Westmächte gespielt. Dies hatte natürlich auch sehr konkrete Auswirkungen auf den Hürtgenwald.

So befand sich die Wehrmacht im September auf einem ungerdneten Rückzug, als man die Westwallstellungen erreichte. Zu dieser Zeit wäre das hiesige Rheinland vielleicht in wenigen Tagen einzunehmen gewesen. Aufgrund fehlender Mannstärke, von Nachschubproblemen, aber auch wegen des Westwalls, entscheiden sich die Alliierten jedoch für den Plan Montgommeries, der einen konzentrierten Schlag über den Rhein nördlich des Westwalls bei Arnheim (Operation Market Garden) vorsieht.

Der Plan schlägt Fehl und gibt den deutschen die Chance sich an der Reichsgrenze neu zu formieren. Die monatelangen Kämpfe in der Region beginnen.

Die militärische Bedeutung des Westwalls muss im Hürtgenwald sehr differenziert betrachtet werden. Während mancherorts die Stellungen kein großes Hindernis bedeuteten, wurden vor allem die Bunker am Ochsenkopf aber auch am Burgberg zäh verteidigt.