
Am 11. September 1944 überschreiten amerikanische
Soldaten die deutsche Grenze nördlich von TRIER.Am 12. September 1944 stoßen US-Kräfte
auf den WESTWALL bei Aachen vor, die ersten WESTWALL-Bunker werden genommen. Die
Alliierten stehen somit 96 Tage nach der Ladung in der NORMANDIE auf einer Linie, die nach
ihrer Planung "D + 330", also erst am 02. Mai 1945 erreicht werden sollte. Das
bedeutet unter anderem, daß die logistische Planung nicht eingehalten werden kann. Die
Logistik und damit der Nachschub ist nicht in der Lage, dem unerwartet schnellen Vormarsch
zu folgen. Die alliierte Verfolgung kommt zum Stehen, der Angriff kann nur nach
Vorbereitung fortgesetzt werden. So erklärt sich das aus deutscher Sicht
"zaghafte" Vorgehen der Amerikaner im Raum AACHEN und HÜRTGENWALD im September
1944. Für den Raum AACHEN ist das VII. (US)Korps zuständig.
Die 3. (US)Panzer-Division erhält den Auftrag, südlich AACHEN anzugreifen. Dieses
relativ offene, panzergünstige Gelände wird von den Amerikanern mit "STOLBERG-
KORRIDOR" bezeichnet. Es begünstigt den Angriff größerer mechanisierter Kräfte.
Der Angriff der 3. (US)Panzer-Division kommt nur langsam voran.
Auf deutscher Seite bemüht sich das LXXIV. (74.) Armeekorps,die Front im Abschnitt AACHEN
zu festigen und so weit wie möglich zu halten, um den WESTWALL mit seinem günstigen
Gelände für die Verteidigung zu nutzen. Das Waldgelände bietet
dem Verteidiger die Möglichkeit, die US-Überlegenheit bei Luftwaffe, Panzern und
Artillerie in ihrer Auswirkung zu mindern. Ab 16. September wird die aus dem Osten
zugeführte 12. Infanterie-Divisionzum Gegenangriff auf AACHEN eingesetzt. Teile
der 353. Infanterie-Division besetzen den Westwall im HÜRTGENWALD. Die 89. Infanterie-
Division geht mit Teilen im Raum um MONSCHAU zur Verteidigung über.
Zu dieser Zeit stehen 239 eigene Panzer und Sturmgeschütze mindestens 2.300 Feindpanzer,
also die zehnfache Menge gegenüber.
ERSTER ANGRIFF AUF SCHMIDT - OKTOBER 1944
Nach dem Abwehrerfolg in ARNHEIM (MARKET GARDEN) kommt es den Deutschen besonders darauf
an, durch Abstützung der EIFEL-Front einen alliierten Durchbruch
zum RHEIN zu verhindern und den Aufmarschraum für die im ersten Planungsstadium
befindliche ARDENNEN-Offensive zu bewahren.
Der deutschen 275. Infanterie-Division steht die 9. (US)-Infantry-Division gegenüber,
die den Auftrag hat, die Hochfläche um SCHMIDT zu nehmen.So soll die rechte Flanke des
VII. (US)Korps gesichert werden; außerdem ist durch Abstützung auf den Oberlauf der RUR
ein Flankenschutz nach rechts gegeben. Nach der Einnahme von SCHMIDT sollen die Deutschen
im MONSCHAU-KORRIDOR, die dort immer noch in Anlehnung an den WESTWALL zäh verteidigen,
im Rücken gefaßt und ausgeschaltet werden.
Nach Feuerzusammenfassung der Artillerie auf die gesamte Breite und Tiefe des
Angriffsgeländes treten die US-Infantry Battalions am 06. 10. 1944 um 11.30 Uhr zum
Angriff an. Die angreifende amerikanische Infantry erleidet fürchterliche Verluste durch
Baumkrepierer,die Deutschen sind in ihren Feldstellungen geschützt. Ein Battalion des 60.
(US)Infantry-Regimentes verliert allein am 07.10. 1944 rund 100 Mann durch Baumkrepierer,
obwohl es nicht einmal an der Front eingesetzt ist. Im Waldkampf gelingt es kaum, Ziele
für die US-Artillerie und US-Luftwaffe ausfindig zu machen.Da beiden US-Regimenten nur
eine "Rollbahn" zur Verfügung steht und diese von den Deutschen mit Minen und
Baumsperren unterbrochen wird, können weder Panzer noch Geschütze die angreifende
Infanterie unterstützen. Teilen des 39. (US)Infantry-Regimentes gelingt es, westlich
GERMETER in die deutschen Stellungen einzubrechen und einige Bunker auszuschalten.
Die Kämpfe ziehen sich bis zum 16. 10. 1944 hin. Dann sind beide Seiten so geschwächt,
daß die Kampfhandlungen abflauen.
| Ergebnis: | US-Geländegewinn: etwa 2,7 km. Endpunkt ist GERMETER. SCHMIDT bleibt in deutscher Hand. |
| US-Verluste: 4.500 Mann. | Deutsche Verluste: 3.200 Mann. |
Ende Oktober 1944 ist für den HÜRTGENWALD das V. (US)Korps zuständig. Am
26.10. 1944 übernimmt die 28. (US)Infantry Division den Gefechtsstreifen der abge-
kämpften 9. (US)Infantry Division. Die deutsche 275. Infanterie-Division bleibt
notgedrungen trotz ihrer Verluste weiter in Stellung.
ZWEITER ANGRIFF AUF SCHMIDT - NOVEMBER 1944
Die verstärkte 28. (US)Infantry Division erhält den Auftrag, den Raum VOSSENACK -
SCHMIDT - LAMMERSDORF zu nehmen und in den Rücken der Deutschen im MONSCHAU-KORRIDOR zu
stoßen.Stunde Null war am 2. November 1944 um 9.00 Uhr. Wegen des 2. November wird
diese Schlacht später von den Deutschen als "Allerseelenschlacht" bezeichnet.
Vor dem unmittelbaren Beginn des Angriffs auf Schmidt erstreckte sich die Frontlinie
entlang der Straße Hürtgen - Germeter- Rollesbroich und von Germeter durch die
Richelskaul bis in die Nähe von Raffelsbrand. Die teilweise dicht bewaldeten Höhenzüge
von Vossenack, Brandenberg, Hürtgen, Kommerscheidt und Schmidt
waren wegen ihrer Höhenlage beherrschend. Es galt sie mit Luft- und
Artillerieunterstützung zu nehmen. Allerdings ließen Wetter und Wälder eine
Luftaufklärung und Luftunterstütznung nicht zu. Artillerie-Einheiten waren im Raum
Zweifall/Roetgen postiert.
Als die 28. Division am 26. Oktober in dieses Gebiet eindrang, fanden sich die Soldaten in
einem feuchten, dichten Wald in der Art vor, wie er in den alten deutschen Märchen
verewigt ist. Dazu sahen sie Versorgungsfahrzeuge, granatzerstörte Bäume, vergessene
Minen an den kargen, schmutzigen Straßen und Pfaden, sowie hunderte von Granattrichtern.
Die Deutschen konnten aus mancherlei Anzeichen einen Angriff erwarten, kannten jedoch
nicht den Zeitpunkt und den Richtungsstoß.
Der Plan der Amerikaner sah folgendes vor:
60 Minuten vor Stunde Null: Artillerie-Sperrfeuer. Das 112. Infantry-Regiment sollte
Kommerscheidt und Schmidt erobern und dabei durch die Einnahme und Verteidigung von
Vossenack ihre Nordflanke abdecken. Die Hauptstoßrichtung war durch die bereits besetzte
Richelskaul über die Kall auf Kommerscheidt und zuletzt auf Schmidt zu. Die Infantry
sollte von mittelschweren Panzern und Panzer-Abwehrwaffen begleitet werden. Vorher waren
jedoch an den Wegen östlich von Germeter eigene Minenfelder zu beseitigen.
Am Morgen des 2. November um 8.00 Uhr trat die amerikanische Artillerie in Aktion. Eine
Stunde später verließen die ersten Kompanien ihre Stellungen in Germeter im Schutze von
Panzern.
Am 08.11.1944 brechen die Amerikaner das Gefecht ab. Im Schutzder Nacht werden die Reste
des 112. Infantry-Regiment zurückgeführt: 300 Mann von 2.200. Der Gesamtverlust der 28.
(US) Infantry Division beläuft sich auf über 6.000 Mann aus
einer Gefechtsstärke von etwa 25.000. Nach der 9. Infantry Division im Oktober ist die 28.
Infantry Division im November als zweite Division ebenfalls im HÜRTGENWALD verschlissen.
Am 16. November 1944 setzen die 1. und 9. US-Armee zum Großangriff auf die RUR zwischen
LINNICH und HÜRTGENWALD an: Operation QUEEN.
Die Amerikaner nehmen am 28. 11. HÜRTGEN, am 29. 11. KLEINHAU und GROSSHAU. Am 05. 12.
geht der letzte Stützpunkt in VOSSENACK verloren. BERGSTEIN mit dem beherrschenden
Burgberg wird am 07.12. von den Amerikanern genommen. Der Weg nach DÜREN ist frei als am
12. 12. 1944 GEY und STRAß fallen.
Am 16. 12. 1944 beginnt die ARDENNEN-Offensive. Damit flauen die Kämpfe im HÜRTGENWALD
ab.
Nach dem Scheitern dieser letzten deutschen Offensive im Westen nehmen die Amerikaner ab
dem 10. 01. 1945 ihre Kampftätigkeit im HÜRTGENWALD verstärkt wieder auf. Schließlich
fällt SCHMIDT am 08. 02.1945 in amerikanische Hand, am 09.02. 1945 werden die
RUR-Talsperren genommen. Damit enden die Kämpfe um den HÜRTGENWALD.
Die Verluste in den Kämpfen im Hürtgenwald betrugen bei den Amerikanern 55.000 Mann, bei
den Deutschen 15.000 Mann.
(Die hohen Verluste bei den Amerikanern erklären sich dadurch,daß ihre Infantrie im
Gegensatz zu der deutschen nicht auf einen Kampf in einem unübersichtlichen Waldgebiet
wie dem Hürtgenwald ohne den begleitenden Schutz von Panzern und Luftwaffe ausgebildet
war.)